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Katzen. Bezaubernd und oft missverstanden.

 

Ich war nicht immer der große Katzenfreund.

Als Kind dachte ich Katzen seien unberechenbar, dieser Irrglaube ist ja weit verbreitet. Ich fand sie schön und versuchte immer wieder mal die Streuner um unser Haus zu streicheln, fing aber auch öfter mal eine ein. Bis ich eines Tages meinen Traum erfüllte und im ortsansässigen Tierheim zu arbeiten begann. Eigentlich hatte ich mich für das Hundehaus beworben, natürlich. Aber sie brauchten nur noch Verstärkung für das Katzenhaus. Im Nachhinein denke ich dass das vielleicht Schicksal war. Dort lernte ich so tolle Menschen kennen, unter anderem meine beste Freundin, und ich lernte die Katzen lieben!

Ich hatte das Glück dass dort der ein oder andere Katzenflüsterer tätig war, der mich nicht nur in das Putzen der Katzenräume einführte, sondern auch ausführlichst in die Katzensprache. Auf einmal waren Katzen gar nicht mehr unberechenbar, ja teilweise fand ich sie nun leichter einzuschätzen als manch sprunghaften Hund. Ich lernte wundervolle Charaktäre kennen. Ein alter, sehr großer, unglaublich charismatischer Kater. Eine kleine verwilderte Kätzin mit Kulleraugen, die ich höchstpersönlich zu zähmen vermochte, und die eine unglaubliche Schmuserin wurde. Eine imposante, unfassbar entspannte Perserdame, an die ich heute noch oft denke. Und viele, viele andere.

 

 

Ich lernte, dass es unhöflich ist einer fremden Katze in die Augen zu starren und dass Blinzeln ein Zeichen von Friedfertigkeit war, dass man einsetzen konnte um zu zeigen dass man ihnen nichts Böses wollte. Ich lernte, dass vergrößerte Pupillen große Spielbereitschaft, große Angst oder gar Aggression bedeuten konnten. Ich lernte dass eine Katze die mit dem Schwanz peitscht besser nicht noch länger gestreichelt wird. Ich lernte von Katzenküssen und Liebesbissen. Ich lernte dass verwilderte Katzen die Wände hochgehen können wie Spiderman.

Ich wurde angekotzt, angekackt, angeeitert, angeblutet, gebissen, gekratzt... und ich bin seither den Katzen verfallen. Wie mittlerweile so viele Menschen.

 

Leider sind diese grazilen Wesen immer noch oft so missverstanden und misshandelt. Man lässt sie unkastriert herum rennen, weil man denkt, sie würden sonst keine Mäuse fangen. Sie vermehren sich wie die Karnickel und ihre Nachkommen müssen leiden. Hungertod. Überfahren. Ertränkt. Auch in Deutschland keine Seltenheit.

Als Carnivoren bekommen sie feinstes Futter das man aus der Werbung kennt, denn schließlich würden Katzen das ja auch kaufen. Es hat gerade mal einen popligen Anteil von rund 4% Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen, Getreide und Zucker. Good old sugar. Und ja, es gibt Leute die ihren Katzen nichts anderes geben und die werden trotzdem 20 Jahre alt. Aber es gibt auch Leute die rauchen und trotzdem 100 Jahre alt werden.

 

 

 

Und dann gibt es die Menschen, die fest davon überzeugt sind, dass Katzen Einzelgänger sind. Dabei sind Katzen eigentlich nur Einzeljäger. Und auch verwilderte Hauskatzen findet man immer in Gruppen und Familienverbänden im Bereich ihrer Reviere. Klar, es gibt Katzen die eine bestimmte..sagen wir mal.. Attitüde an den Tag legen. Sie sind herrlich zickig, fauchen jeden Artgenossen an, und haben einfach diese gewisse Prinzessinnenausstrahlung. Aber ich bin sicher, auch solche Katzen haben vielleicht nur einfach einen gezielteren Geschmack was ihre Gesellschaft angeht und es kam vllt noch nicht der Richtige vorbei? Oder der Richtige ist schon gegangen und sie lassen sich nicht auf neue Beziehungen ein. Katzen können da sehr sensibel sein. Trotzdem würde ich solch ein Tier nur im äußersten Notfall alleine als Wohnungskatze halten. Das heißt, nur wenn es schon alt und oder krank ist, die Menschen wirklich viel Zeit haben und aus irgendwelchen Gründen der Freigang unmöglich für das Tier ist. Aber sich aus reinem Egoismus und Bequemlichkeit die Aussage 'Katzen seien Einzelgänger' zu eigen zu machen um sich die Hälfte der Arbeit zu sparen, seinen Tiger aber einzusperren und dahin vegetieren zu lassen...das ist gar nicht schön. Und nicht artgerecht.

Ja, viele werden jetzt aufheulen: aber meine Oma hatte immer eine Katze alleine und die waren so lieb und ausgeglichen. Oder ähnliches. Was wir Menschen aber oft als eine ausgeglichene Katze erkennen, ist in Wirklichkeit eine depressive, lethargische Katze. Je nach Sensibilität des Tieres dauert es vielleicht Jahre, bei anderen nur Monate oder gar Wochen. Aber es ist auf jeden Fall kein schöner, artgerechter, glücklicher Zustand für eine Katze. Und keine Katze würde sich jemals freiwillig ein Leben in Einzelhaft aussuchen. Wenn dann eher in Einzelfreiheit.

 

 

Alles Liebe, eure Vivi vom Lola&Lumpa-Team 

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Kommentare: 2
  • #1

    Isengard (Montag, 24 Juli 2017 16:07)

    Liebe Vivi,

    soeben habe ich dein Projekt bewundert und deine Artikel gelesen. Du hast eine wundervolle und aufmerksame Art zu schreiben, und ich kann dir nur zustimmen.
    Katzen sind wohl die einzigartigsten Geschöpfe der Natur und jeder kann sich bereichert fühlen von ihnen geliebt zu werden :)
    Ich freue mich sehr weitere Artikel zu lesen und bin total begeistert.

    Danke das du mit uns deine Erfahrungen teilst.

    In Liebe deine Isi

  • #2

    Rose (Freitag, 28 Juli 2017 10:23)

    Hallo Vivi, habe deine Artikel mit grossem Interesse gelesen. Bei deinem großen Erfahrungsschatz ist es höchste Zeit geworden, dass du dein Wissen weiter gibst.
    Einige Katzenfreunde werden sicher nochmal über die Haltung nur einer Katze nachdenken. Vielleicht wollten sie die uneingeschränkte Aufmerksamkeit ihrer Katze nicht teilen? Hatten die Befürchtung ihr Liebling würde weniger mit ihnen schmusen?
    Freue mich auf weitere spannende Artikel.
    Rose