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Freigängerkatzen. Was muss man beachten? Die Vor- und Nachteile.

 

Wer seiner Katze Freigang gewähren kann, bietet ihr natürlich ein wunderbar artgerechtes Leben. Aber was ist da eigentlich zu beachten?

 

 

Wann kann man die Katze ins Freie lassen?

Wenn man eine Katze frisch adoptiert hat, gehen wir mal von einer erwachsenen Katze aus, dann sollte man sie idealerweise erstmal 8 Wochen "eingesperrt" Zuhause halten, bis sie sich vollständig akklimatisiert hat und schon etwas Bindung und Vertrauen zu ihrem Besitzer hat. Es ist wichtig, dass die Katze ihre Besitzer und deren Haus oder Wohnung als "ihr Zuhause" ansieht, um auch immer wieder dorthin zurück zu kehren. Bei Kitten wartet man idealerweise bis nach der Kastration. Wenn man sie vorher schon raus lässt, sollte man auf keinen Fall den Zeitpunkt der Geschlechtsreife verpassen.

 

 

 

Vermehrung vermeiden und Tierkennzeichung.

Kastration und ein Transponder-Chip sind ohnehin das A und O für eine Freigänger-Katze (aber auch bei Wohnungskatzen mehr als empfehlenswert).

 

Die Kastration: weil Katzen sich wie die Karnickel vermehren, und wir haben leider sowohl in Deutschland als auch im Ausland überall Katzenfluten, da muss man wirklich nicht noch mehr Kätzchen produzieren. Außerdem schlichtet es das Gemüt der Kater und vermeidet schlimmere Revierkämpfe und das Tier wird in der Regel keine Urinmarkierung im Haus durchführen. (Achtung: Für das Markieren gibt es auch andere Gründe als die Geschlechtsreife, wie Unzufriedenheit, Unsicherheit usw. Das kann auch mit Kastration nicht verhindert werden!)

Natürlich ist auch eine Sterilisation möglich, welche der beiden Möglichkeiten man wählt und wann der richtige Zeitpunkt für solch eine OP ist, sollte mit dem Tierarzt abgesprochen werden.

 

Der Transponder-Chip: darüber kann man sein Tier kostenlos bei "Tasso" registrieren.

Es gibt noch weitere Registrierungsportale wie "Findefix" (vorher "Deutsches Haustierregister", ebenfalls kostenlos) oder "Die Internationale Zentrale Tierregistrierung" kurz "Ifta" (kostenpflichtig), aber Tasso ist das übliche, am meisten verbreitete Register und bietet sehr guten Service. So kann man jederzeit beweisen dass es die eigene Katze ist und wenn sie mal verloren geht, kann der Besitzer schnell und auf Wunsch datengeschützt ausfindig gemacht werden.

 

Die Tätowierung: Statt Halsbändern empfehle ich bei der Kastration eine Tätowierung in den Ohren machen zu lassen. Das mag auf den ersten Blick etwas altmodisch erscheinen (damals hatten alle Tiere Tattoos statt Chips), ist aber sehr praktisch. Den Chip kann nämlich nur ein Tierarzt, ein Tierheim oder der ein oder andere private Tierschützer auslesen, da der Normalbürger für gewöhnlich kein Auslesegerät zu seinem Hausstand zählt. Außerdem sieht man das Tattoo sofort, so weiß man direkt dass die Katze kastriert ist und vermutlich einen Besitzer hat.

Die Tattoos sind normalerweise in beiden Ohren mit Kürzeln versehen und kosten nur ein paar Euro extra. Im rechten Ohr steht dann zum Beispiel KR35 (Kürzel Name des Tierarztes und Nummer der Katze) und im linken Ohr PF12 (Kürzel der Stadt, wie beim Autonummernschild und Jahr der Kastration, hier 2012).

 

Das Halsband: Halsbänder erscheinen zwar schick und man hat die Hoffnung, dass es Leute davon abhält die eigene Katze einzupacken, aber leider stellen sie immer noch eine potentielle Gefahrenquelle für Katzen dar. Auch die neuartigen mit dem leicht zu öffnenden Sicherheitsverschluss, öffnen nicht immer zuverlässig. In meiner Zeit beim Tierheim, habe ich leider mehrere Katzen erlebt, die mit dem Halsband im Zaun hingen blieben und erstickten und Katzen die versuchten sich das Halsband auszuziehen und dieses dann zwischen Hals und Vorderbein festklemmte. Es ist einfach nichts für Katzen und sollte den Hunden vorbehalten bleiben.

 

 

Eine Tür für die Katz?

Wenn man nicht gerade im Erdgeschoss lebt und immer Zuhause ist, sollte man sich gut überlegen wie die Katze immer rein und raus kommt. Besonders im Winter sollte sie nicht ewig in der Kälte warten müssen. Es gibt im Fachhandel und im Internet viele verschiedene Katzenklappen die man in Türen und gegebenenfalls auch Wänden einbauen kann. Im Sommer kann man sicher auch mal ein Fenster geöffnet lassen oder die Terrassentür. Wenn man nicht im Erdgeschoss lebt, kann man eine Katzenleiter oder Katzentreppe bauen, damit die Katze über den Balkon rein und raus klettern kann. Gut ist es auch, wenn man für den Notfall draußen einen geschützten Bereich für seine Katze einrichtet. Manch einer kann seiner Katze eventuell ständig Zugang zur Garage, zum Keller oder zu einer Gartenhütte gewähren. Diese kann man ein bisschen gemütlich einrichten mit Kratzbaum, Teppich, altem Sofa. Natürlich sollte das nicht der Dauerwohnort für die Katze sein, aber als Ruhe- und Ausweichzone oder eben auch einfach als geschützter, warmer Platz bei plötzlichem Regen oder Gewitter, ist es sehr dienlich. Eventuell nutzen diesen Ort dann auch mal andere Katzen um sich in Sicherheit zu bringen, deshalb sollte man diesen möglichst immer geöffnet lassen, damit die Tiere nach dem Unwetter wieder in ihr Zuhause finden können.

Es gibt auch verschiedene handelsübliche isolierte Schutzhütten für Katzen, die man sich zum Beispiel auf die Terrasse oder in den Garten stellen kann.

 

 

Wenn die Katze nicht nach Hause kommt.

Wer seine Katze schon viele Jahre bei sich hat, kennt sie bereits gut und kann gut einschätzen ob sie täglich kommt oder einfach mal ein bisschen länger auf Streife bleibt. Sobald man aber merkt die Katze fehlt und kommt nicht heim, muss man handeln.

 

Diese Punkte sind zu tun:

  • Vermisstenmeldung bei Tasso (dort gibt es auch kostenlose Flyer und Handouts)
  • Polizei, Gemeinde, Straßenmeisterei/Baubetriebshof anrufen (diese wissen auch, ob ein überfahrenes Tier gefunden wurde)
  • umliegende Tierheime und Tierärzte kontaktieren
  • wenn man einen Sichtungshinweis bekommt, immer Ort und Uhrzeit notieren
  • falls es eine Tierschutzkatze ist, den zuständigen Verein informieren

 

Dank Chipregistrierung bei Tasso und Tattoo im Ort habe ich bisher noch jede Katze wieder finden können. Manchmal sind sie auch gar nicht so weit weg, aber finden irgendwie nicht heim oder trauen sich nicht aus ihrem Versteck. Daher ist es auf jeden Fall sinnvoll bei Dämmerung oder nachts wenn es ruhiger ist, seine Runden um sein Zuhause zu ziehen und nach der Katze zu rufen! Viele kommen heraus und sind sichtlich erleichtert und erfreut ihr Herrchen oder Frauchen wieder gefunden zu haben :-)

 

 

Was sind die Vor-und Nachteile bei Freigängern?

 

Vorteile:

  • absolut artgerechte Haltung
  • die Katze benötigt das Katzenklo wenig bis gar nicht
  • die Katze ist ausgelastet und ausgeglichen
  • die Katze lebt ihr Kratzbedürfnis Zuhause nur wenig bis gar nicht aus

Nachteile:

  • die Katze ist einer erhöhten Verletzungsgefahr ausgesetzt(Autos, andere Katzen, andere Tiere)
  • die Katze könnte geklaut werden (hauptsächlich bei teuren, unkastrierten Rassekatzen)
  • die Katze könnte sich verlaufen oder weglaufen (zum Beispiel nach einem schweren Gewitter, wenn sie Schutz in einer fremden Garage gesucht haben, nach Silvester wenn sie verängstigt sind, oder manchmal auch einfach weil sie mit irgendetwas in ihrem Zuhause unzufrieden sind)
  • die Katze ist einer höheren Infektionsgefahr ausgesetzt als bei der Wohnungshaltung

 

Letztendlich entscheidet es sich je nach Wohnsituation und je nach Katze was das Richtige für das Tier ist und seinen Menschen ist.

 

Alles Liebe, eure Vivi vom Lola&Lumpa-Team

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dulce von Hunnius (Donnerstag, 27 Juli 2017 12:22)

    Super ,alle Katzen Freunde können ein ganze Menge von dir lernen��������