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Freud und Leid der Mehrhundehaltung.

Freud und Leid der Mehrhundehaltung. https://www.lolaundlumpa.com/2017/08/25/freud-und-leid-der-mehrhundehaltung/ #mehrhundehaltung #hundehaltung

 

Der Trend geht die letzten Jahre zur Mehrhundehaltung. Viele halten heutzutage zwei Hunde, manche sogar weit aus mehr. Sicherlich eine gute Sache wenn man bedenkt wie viele Tiere ein Zuhause suchen und brauchen, aber es gibt einige Punkte die beachtet werden sollten.

 

Ich selber habe durch die Mehrhundehaltung mehr über Hunde gelernt, als ich es je mit einem einzelnen hätte tun können. Und ich würde auch in Zukunft immer wenigstens zwei Hunde halten. Dass einer mehr gar nicht groß auffällt, ist aber nicht richtig. Mit jedem weiteren Rudelmitglied verändern sich die vorhandenen Tiere und deren Dynamik. Während zwei Hunde wirklich noch sehr gut zu händeln sind, wir haben ja immerhin auch zwei Hände, so wird es aber mit jedem weiteren etwas komplizierter. Was nicht heißt, dass ich davon abraten würde. Aber es will schon sehr gut überlegt sein.

Ich bin mit Hunden aufgewachsen und hatte immer Hunde in der Familie. Aber mein ganz eigener erster Hund, war eine Angsthündin aus dem Tierschutz. Wir sind bis heute unzertrennlich und sie ist die liebste Omi an meiner Seite, aber wir hatten echt harte Zeiten. Ich hatte all meine Freizeit in unsere Bindungsarbeit und Training gesteckt und trotzdem war es immer, als ob es noch nicht ganz gut wäre. Bis ich eines Tages beschloss einen Zweithund aufzunehmen. Und ich gebe zu, dass ich das damals nicht so gut durchdacht hatte, wie es hier nun in meinem Artikel geschildert wird, aber ich hatte einfach furchtbar viel Glück. Mein Zweithund war einfach die coolste Socke der Welt. Die Gutmütigkeit und Gelassenheit in Hund personifiziert. Und ein lustiger Clown. Und all das, obwohl er auch aus dem Tierschutz und aus ganz schlechten Verhältnissen kam. Trotzdem war er unsere Rettung. Mit ihm wurde meine Angsthündin innerhalb kurzer Zeit auch immer lässiger und entspannter.

 

Ein Zweithund, kann also auch sehr heilsam sein!

 

 

 

Es kann aber auch ganz anders laufen.

Auch diese Erfahrung durfte ich mit weiteren Rudelmitgliedern machen. Man stellt sich vieles einfacher vor, als es dann tatsächlich ist. Doch meistens erfordert es viel Aufmerksamkeit und Training, um den Hunden das entspannte Miteinander beizubringen.  Denn der erste Eindruck muss nicht der letzte sein. Es kann sich auch noch eine Freundschaft entwickeln, wenn die Hunde anfangs abgeneigt sind, man muss dann jedoch wirklich dran bleiben.

 

Wenn man sich in das Abenteuer Mehrhundehaltung wagt, lernt man nicht nur ganz viel allgemein über Hundesprache, Hundeerziehung, Problembewältigung und Organisation, sondern man kann auch viel Neues über den eigenen Ersthund lernen. Denn innerhalb eines Rudels kann man oft Kommunikationsformen beobachten, die man mit fremden Hunden so noch nie gesehen hat. Es kann auch passieren, dass man den eigenen Hund , der eigentlich immer freundlich ist, nicht wieder erkennt, weil er plötzlich Aggressionsverhalten zeigt. Doch Aggressionsverhalten ist für Hunde schlichtweg eine Strategie, um Konflikte zu lösen. Damit alles gut verläuft, ist es nötig sich mit der Hundesprache auszukennen, denn weder "das regeln die unter sich", noch ein ständiges Eingreifen ist hier richtig. Wichtig ist es, bei sich anbahnenden kritischen Situationen, zu wissen: was erlaube ich und was muss ich in jedem Fall verbieten, damit es nicht eskaliert. Kommunikation ist hier absolut erwünscht. Auch wenn das vielleicht seltsam klingt, aber Knurren ist super. Denn wenn einer deiner Hunde knurrt, teilt er mit, dass für ihn etwas nicht stimmt. Das bietet dir die Gelegenheit, ihn bei der Lösung des Problems zu unterstützen, bevor etwas Schlimmeres passiert.

 

Doch auch sehr schöne, vielleicht bislang ungewohnte, Beobachtungen können gemacht werden. Wenn ein Rudel harmoniert, wirken die Hunde meist ausgeglichener und zufriedener. Man kann sehr schöne Ausdrücke des Zusammenhalts beobachten, wie Kontaktliegen, gemeinsame Körperpflege oder ein zärtliches Spiel. Wenn man also den richtigen Partner ausgewählt hat, kann man definitiv sagen, dass es für die Hunde letztendlich ein großer Vorteil ist, mit Artgenossen in einem Rudel zu leben. Denn obwohl der Mensch schon als vollwertiger Sozialpartner akzeptiert wird, sind wir dennoch nicht in der Lage, genau so zu kommunizieren, wie es die Hunde untereinander tun.

 

 

 

Doch erlauben meine Lebensumstände einen Zweithund?

 

Es ist unabdingbar ganz ehrlich mit sich selbst zu sein und die eigene Situation zu betrachten.

 

Warum möchte ich eigentlich einen weiteren Hund?

Möchte ich einfach einen Spielfreund für den Ersthund in der Hoffnung, dass sie sich gegenseitig auslasten, und ich dann weniger Arbeit habe? Dann sollte man lieber davon absehen. Oder wünsche ich mir einen Zweithund, weil ich Hunde einfach liebe, und eine neue Herausforderung suche?

 

Habe ich genug Zeit für zwei Hunde?

Klar, der Gassigang und das Saugen sind in einem Wisch erledigt. Aber dafür muss man auch öfter saugen, weil zwei Hunde einfach zweimal mehr Dreck machen. Außerdem benötigt man, besonders zu Anfang, Zeit für Einzeltraining mit dem Neuzugang. Und mit all dieser Zeit auch die nötige Geduld, denn es kann durchaus ein Jahr dauern, bis das Rudel fertig und problemlos beisammen ist.

 

Wie ist meine Wohnsituation?

Lebt man zur Miete und der Vermieter hatte keinerlei Probleme mit dem Ersthund, so bedeutet dies leider nicht, dass er auch von weiteren Hunden begeistert sein wird. Und was ist, wenn man irgendwann umziehen muss? Schon mit einem Hund gestaltet es sich schwierig. Desto mehr Hunde, umso schwieriger die Wohnungssuche. Leute die in Eigentum wohnen, können zumindest diesen Punkt schon mal von ihrer Liste streichen.

 

Kann ich mir zwei Hunde leisten?

Ein zweiter Hund bedeutet auch doppelte Kosten, bei Steuern sogar oft mehr als das. Denn in vielen Gemeinden ist bereits der Zweithund höher angesetzt als der Ersthund. Und die doppelten Kosten beziehen sich auf Futter, Tierarztkosten, Versicherung, Urlaubsunterbringung, Zubehör, usw.

 

Wie ist der Ausbildungsstand meines Ersthundes?

Gibt es vielleicht noch Probleme? Denn vorhandene Probleme werden sich durch einen weiteren Hund allermeistens nur potenzieren, in sofern dass der Ersthund diese eventuell noch ausbaut und/oder der Zweithund fröhlich mitmacht. Deshalb ist es ratsam, jeweils erst einen weiteren Hund hinzuzuholen, wenn der vorhandene, oder die vorhandenen, bereits "einfach so mitlaufen". Das heißt die Grunderziehung genossen und verinnerlicht haben. Sonst hat man bald eine Meuterei.

 

Hat man all diese Fragen mit ehrlicher Selbstreflexion beantwortet, kommt man zum nächsten wichtigen Punkt.

 

 

 

Welcher Hund soll es sein?

Charakter, Alter und Geschlecht sind die wichtigsten Kritikpunkte bei der Auswahl.

Wobei sich beim Charakter die Geister scheiden. Die einen setzen auf den gleichen, um direkt eine freundschaftliche Basis zu errichten, andere sagen man sollte das Gegenteil wählen, weil sie sich dann ausgleichen. Ich finde man muss da noch genauer differenzieren. Natürlich wäre es nicht ratsam sich zum Angsthund einen weiteren Angsthund hinzuzuholen. Hier ist das Gegenteil von Vorteil, nämlich ein souveräner, ausgeglichener Hund. Habe ich aber einen gemütlichen Couchpotato, so wird dieser vermutlich nicht allzu glücklich mit einem narrischen Terrier oder einem hyperaktiven Hütehund an seiner Seite. Ein normal aktiver, fröhlicher Hund, könnte den Couchpotato aber gegebenenfalls zu mehr Aktivität motivieren. Es ist schön, wenn die Hunde was miteinander anfangen können, zum Beispiel ein ähnliches Aktivitätslevel und ein ähnliches Spielverhalten haben, ohne sich gegenseitig zu hoch zu puschen oder auf die Nerven zu gehen.

 

Was das Alter anbelangt so sind meist relativ gleich alte Hunde anzuraten, ein Abstand von ca. 2 Jahren ist ganz gut. Der Zweithund sollte aber am besten nicht unbedingt älter sein, da Alter auch immer mit Ranghöhe einhergeht. Ein Welpe zu einem älteren Hund kann gut gehen, diesen nochmal beleben, und eventuell erzieht der ältere Hund den Welpen auch noch mit. Doch es kann auch sehr nervig, anstrengend und stressig für den älteren Hund sein.

Zwei Geschwister aus einem Wurf, sollten sich besonders Mehrhundehalter-Anfänger besser nicht zutrauen! Schnell ist man mit zwei solchen Rackern überfordert, und für Anfänger ist es ohnehin das Beste langsam in die Mehrhundhaltung hinein zu wachsen. Also zum Beispiel erst einen Hund adoptieren und dann, wenn Bindung, Vertrauen und Erziehung gut gefestigt sind, frühstens 2 Jahre später den nächsten Hund adoptieren.

 

In Hinsicht auf das Geschlecht, so ist das doch auch wieder stark vom Charakter abhängig. Generell kann man jedoch sagen, dass es bei der Rüde-Rüde-Konstellation zu Prollerei kommen kann, besonders in der Pubertät oder wenn eine läufige Hündin zugegen ist.

Bei der Hündin-Hündin-Konstellation kann es gegebenenfalls auch zu Zickerei kommen, besonders in der Standhitze (der zweiten Phase der Läufigkeit).

Entscheidet man sich für Rüde-Hündin, so stellt sich die Frage ob einer kastriert oder sterilisiert wird, und wer? Auch haben Paare oft die stärkste Eigendynamik und es kann vorkommen, dass der Rüde die Hündin gegen andere Hunde beschützen und verteidigen will.

Alles hat seine Vor- und Nachteile.

 

 

 

 

Es gibt einige gute Hundetrainer, die anbieten sich die gewünschte Konstellation vor der Zusammenführung anzusehen und eine Einschätzung abzugeben. Wenn man frisch mit der Mehrhundehaltung beginnt, kann das auf jeden Fall eine gute Idee sein. Allein schon weil es dem Hundehalter mehr Sicherheit gibt, welche dieser dann wieder ausstrahlt und somit seine Hunde positiv beeinflusst.

 

Auch gibt es oft die Möglichkeit, die Hunde vorab zusammen zu führen, wenn der gewünschte Zweithund sich in der Nähe befindet. Sei es nun bei einem Züchter, einer Privatperson, in einem Tierheim oder auf einer Pflegestelle. Viele Menschen haben den perfekten Zweithund auch über die ehrenamtliche Arbeit als Pflegestelle für den Tierschutz gefunden und wurden so irgendwann zu sogenannten "Pflegestellenversagern", denn einen guten Zweithund gibt man nicht gerne wieder her.

 

Auf jeden Fall sollte Mensch eine gute Portion Durchsetzungsvermögen, Konsequenz, Hundeerfahrung und natürlich wie immer Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen.

 

Nochmal zusammen gefasst die Vor- und Nachteile:

 

contra

  • mehr Zeitaufwand
  • mehr Geldausgaben
  • mehr Schmutz im Haus
  • mehr Arbeit

pro

  • mehr Freude für Hund und Mensch
  • mehr Erfahrungen
  • der Hund ist nie ganz alleine (viele bleiben im Rudel auch besser allein Zuhaus, als einzeln)
  • der Hund hat stehts einen Sozialpartner mit dem er arttypisch kommunizieren kann

Fazit:

Wenn man gut informiert und überlegt an die Sache heran geht, und die Kapazität hat, den Hunden gerecht zu werden, dann wäre ich immer für mindestens 2 Hunde pro Haushalt.

 

In einer perfekten Welt,

hätte jeder Hund ein Zuhause

und jedes Zuhause einen Hund

– oder zwei !

 

Alles Liebe, eure Vivi vom Lola&Lumpa-Team

 

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