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Hundekrallen kürzen. Warum, womit und wie.

Hundekrallen kürzen. Warum, womit und wie. https://www.lolaundlumpa.com/2017/09/14/hundekrallen-k%C3%BCrzen-warum-womit-und-wie/ #hundekrallen #hundehaltung

 

Warum?

Zu lange Krallen zwingen den Hund mit der Zeit in eine Schonhaltung. Man kann sich das ein bisschen so vorstellen wie Absatzschuhe, die verkehrt herum verbaut sind, also mit den Absätzen vorne. Ein normaler Bewegungsablauf ist so gar nicht mehr möglich. Die Krallen werden ins Bett gedrückt, die Zehenballen werden nicht mehr gleichmäßig belastet, die Gelenke werden gestaucht. Muskelverspannungen, Gelenk- und Rückenschmerzen sind die Folge. Das Kurzhalten der Krallen ist also im Prinzip eine Gesundheitsvorsorge. Nicht jeder Hund hat es nötig, manche laufen sie sich ausreichend beim Gassigehen ab. Wenn ein Hund zu lange Krallen hat, muss das aber nicht zwingend bedeuten, dass er niemals raus kommt. Manchmal ist es auch Veranlagung oder der Hund geht hauptsächlich auf weichen Waldwegen spazieren. Auch ein alter und oder kranker Hund wird seine Krallen in der Regel nicht mehr so effektiv abnutzen. Achtung bei langhaarigen Hunden, hier werden zu lange Krallen auch gerne übersehen, da sie so schön unter dem Fellteppich versteckt sind.

 

Zu lange Krallen bringen auch ein gewisses Unfallpotential mit sich:

  • Ausrutschen auf glatten Böden
  • Einreißen und Entzünden der Krallen, zum Beispiel durch Hängenbleiben in Textilien oder beim Versuch des Hundes sie selber abzuknabbern
  • Verletzungen beim Kratzen

Das Kurzhalten der Krallen ist im Vergleich zu diesen negativen Auswirkungen wirklich ein kleiner und einfacher Zeitaufwand, der sich lohnt!

 

Aber woran erkenne ich überhaupt, ob die Krallen meines Hunde zu lang sind?

  • Hört man ein Klackern wenn der Hund über glatte Böden (wie Laminat, Parkett und Fliesen) läuft?
  • Berühren die Krallen im normalen Stand vorne den Boden?
  • Ragen die Krallen beim Pfote hochheben über den Ballen hinaus?

Wenn man diese Fragen mit Ja beantworten kann, ist es Zeit für etwas Krallenpflege!

 

Diese Krallen sind zu lang und sollten gestutzt werden!
Diese Krallen sind zu lang und sollten gestutzt werden!

 

Womit?

Schauen wir uns zunächst das benötigte Werkzeug an.

 

Die Krallenzange.

Es gibt verschiedene Ausführungen der Krallenzange auf dem Markt, mit Abstandhalter (auf welchen man sich bitte nicht gänzlich verlassen sollte), mit auswechselbarem Messer und in verschiedenen Größen. Wenn man eine Zange schon länger in Gebrauch hat und sie keine auswechselbaren Messer besitzt, sollte man sich Gedanken über eine Neuanschaffung machen. Denn eine stumpfe Schneide quetscht die Kralle.

 

+ Die Krallenzange ist sehr effizient und bringt schnell ein zufriedenstellendes Ergebnis.

- Höhere Verletzungsgefahr. Bei richtiger Vorbereitung und Anwendung aber im Rahmen.

 

 

Und wenn man doch das Leben in der Kralle verletzt? 

Wegen der höheren Verletzungsgefahr durch Einschneiden in das Leben (durchbluteter und von Nerven durchzogener Bereich der Kralle), sollte man beim Kürzen mit der Krallenzange auch immer Blutstiller zur Hand haben.

Das Einschneiden in das Leben ist nämlich nicht nur recht schmerzhaft, sondern blutet auch ziemlich stark.

Blutstiller kann man online oder in der Apotheke beziehen. Es eignen sich Alaunstifte, Kaliumpermanganat oder auch einfach ein Stück Seife. Normalerweise ist mit solch einem Blutstiller auch schnell alles wieder im Griff. Wichtig ist auch ruhig zu bleiben um den Hund nicht noch mehr zu verunsichern. 

Sollte man die Kralle versehentlich doch sehr stark verletzt haben, ist es sinnvoll - nach erfolgter Blutstillung - eine sterile Kompresse um die Pfote zu legen und mit einer Haftbandage zu fixieren. So ist die Wunde erstmal gesichert und man kann seinen geliebten Vierbeiner zum Tierarzt bringen.

 


 

Wie?

Als ersten Schritt muss man seinem Hund das lange, entspannte Pfotegeben beibringen. Das geht ganz einfach über das klassische "Gib Pfote", welches man eben immer mehr verlängert, verschiedene Positionen einbaut und dann irgendwann die Zange hinzu holt, den Hund dran schnuppern lässt, die Zange an die Pfote hält und immer so weiter.

 

Zum Kürzen der Krallen nimmt man die Pfote dann am besten so hoch, dass sie nach hinten abgeknickt ist. Also genau so ,wie man einen Pferdehuf zum Auskratzen hoch nimmt. Der Vorteil hierbei ist, dass man die Krallen dann von unten sieht. So kann man auch bei schwarzen Krallen gut erkennen, wo das Leben anfängt und welcher Teil die überschüssige, abzuknipsende Spitze ist.

 

Die Krallenzange muss die Kralle beim Abknipsen waagerecht umfassen. Auf diese Art hält die Form der Kralle dem Druck, der unter der Schneide entsteht, problemlos stand. Benutzt man die Krallenzange aber senkrecht, wird die Kralle, auch bei scharfer Klinge, gequetscht und kann einreißen und brechen. (siehe Infografik Nr.1)

Wichtig ist auch den richtigen Winkel der Schnittkante zu beachten. (siehe Infografik Nr.2)

 

Wer sich gar nicht rantraut oder es einfach nicht möchte, kann auch einfach direkt mit seinem Hund zum Tierarzt gehen. Manche machen es kostenlos, oder sie verlangen einen geringen Satz von ca. 5-10€. Viele Tierärzte zeigen ihren Patientenbesitzern auch gerne die korrekte Anwendung der Krallenzange.

 

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Infografik Nr.1

 

Der Krallenschleifer.

Meiner Meinung nach eine fantastische Erfindung, besonders für ängstliche Hunde und Menschen. Die neueren Modelle sind auch relativ leise. Es gibt welche mit Kabel, mit Batterie oder, meine bevorzugte Variante, mit aufladbarem Akku. 

Die kabellosen Krallenschleifer sind meiner Meinung nach vorzuziehen.

 

+ Man kann sich langsam voran arbeiten und hat dadurch kaum Verletzungsgefahr. Achtung bei Hunden die beschwichtigend Schlecken, die Zunge an der rotierenden Feile ist nicht so angenehm. Dann lieber nochmal ein paar Trainingsschritte zurück, bis der Hund entspannter ist.

- Man kommt langsamer voran. Man muss mehr Zeit und bei langen Krallen auch mehrere Feileinheiten in Kauf nehmen – lohnt sich aber.

 

Wie?

Auch hier wie immer als ersten Schritt den Hund in mehreren, positiv bestärkten Trainingsschritten an die Prozedur und das Werkzeug heranführen und mit den Geräuschen vertraut machen.   

Jedes einzelne Glied der Pfote sollte beim Feilen gut fixiert werden.

Die einzelnen Krallen dürfen wegen der Hitzeentwicklung nicht zu lange am Stück gefeilt werden.

 

 

 


 

Das Krallenbrett.

Eine nette Idee ist auch das sogenannte Krallenbrett. Dieses kann man ganz einfach selbst basteln. Man nehme einfach ein Holzbrett oder eine alte, leere Schublade und beklebe das jeweils ausgewählte mit Schmirgelpapier. Nun muss man nur noch dem Hund beibringen, auf Kommando daran zu kratzen. Dies ist relativ schnell und einfach gelernt, mit Hilfe von Klicker und Leckerli. Natürlich klappt das nur so richtig mit den Vorderpfoten, diese haben aber auch meistens längere Krallen als die Hinterpfoten. Anleitungen zum Basteln des Krallenbretts und Aufbau des Trainings findet ihr im Internet, sogar mit Videos.

Fast identisch nur etwas anders aufgebaut ist die Kratz-Kiste.

 

 

Die Krallenfeile.

Generell kann man auch jede grobe Feile benutzen, jedoch ist dies natürlich noch langwieriger als mit dem Krallenschleifer. Bei regelmäßiger Benutzung und ohnehin gut abgenutzten Krallen, ist dies aber durchaus auch ein guter Weg. Für große Hunde eignet sich hier auch sehr gut eine einfache Hornhautfeile, die man in der Drogerie bekommt. Diese hat auch eine feine und eine grobe Seite, aber eben ein viel größeres Blatt als übliche Feilen.

 

 

 

Was ist aber zu tun, wenn das Krallenkürzen - aus welchem Grund auch immer - zu lange vernachlässigt wurde?

 

Leider ist es so, dass das Leben mit der Zeit weiter wächst. Das heißt, dass eine sehr lange Hundekralle in der Regel fast bis zur Spitze mit Nerven und durchblutetem Gewebe durchzogen ist.

 

Aber es gibt eine gute Nachricht! Man kann immer zurück!

 

Es kommt vor, dass Tierärzte, wenn ohnehin eine OP ansteht, in solch einem Fall die Krallen einfach unter Narkose radikal kürzen. Das kann man natürlich machen, bedeutet aber für den Hund mindestens 2 Wochen lang unangenehmes bis schmerzhaftes Gehen und Stehen. 

 

Einfach so beim Tierarzt kurz schneiden lassen sollte man solche Krallen nicht, denn es blutet nicht nur stark, sondern schmerzt auch. Leider gibt es auch noch Tierärzte, die die Krallen mit einem Thermokauter veröden um eine Blutung zu stoppen. Das sollte man seinem Hund auf keinen Fall antun, denn es wäre eine traumatisierende Erfahrung.

 

 

Wenn man sich die Zeit nehmen kann, empfehle ich das langsame Voranarbeiten.

Dies geht sowohl mit Krallenzange als auch mit Krallenschleifer, wobei ich den Schleifer hier bevorzugen würde. Durch regelmäßiges, minimales Kürzen der Krallen (mehrmals die Woche), zieht sich das Leben nämlich immer weiter zurück. Und mit etwas Geduld, ist man dann bald wieder bei gesunden, kurzen Krallen angelangt.

 

Hundekrallen kürzen. Warum, womit und wie. https://www.lolaundlumpa.com/2017/09/14/hundekrallen-k%C3%BCrzen-warum-womit-und-wie/ #hundekrallen #hundehaltung
Infografik Nr.2

 

Wer feststellt, dass sein Hund trotz aller Bemühungen zu einem extrem schnellen Krallenwachstum neigt, und gegebenenfalls sogar noch andere Symptome erkennbar sind, sollte diesen dringend einem Tierarzt vorstellen. Denn übermäßiges Krallenwachstum kann auch ein Krankheitssymptom, zum Beispiel bei der Leishmaniose, sein.

 

Generell kann man sagen, dass die Vorderkrallen meist länger sind als die Hinterkrallen. Bitte trotzdem alle checken und auch die Daumen- und eventuell vorhandene Wolfskrallen nicht vergessen!

 

Positive Bestärkung und schrittweises Heranführen sind euer Freund!

Stichworte: Klickertraining und Leckereien, wie Hundeleberwurst.

 

Viel Erfolg!

 

Alles Liebe, eure Vivi vom Lola&Lumpa-Team

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sandra (Montag, 22 Oktober 2018 18:11)

    Vielen Dank für den tollen Artikel!