· 

Kleintiere artgerecht halten – ist das schwierig?

 

Den Wenigsten ist bewusst, dass in Deutschland ein großes Kleintierleid vorherrscht.

Ein Thema das meine Freunde und mich schwer beschäftigt.

 

 

Aber ist es denn so schwierig Kleintiere artgerecht zu halten?

Generell ist es natürlich nichts besonders schönes oder artgerechtes ein Lebewesen dauerhaft in einem Käfig zu halten. Wenn man allerdings Gehege schafft, die der natürlichen Lebensumgebung des Tieres nahe kommen und für genügend Freilauf sorgt, können auch Kleintiere sehr glücklich und gesund alt werden.

Doch die wenigsten scheinen eine Idee davon zu haben wie sowas aussehen könnte. Dabei ist das, gerade heute im Informationszeitalter, nicht allzu schwer heraus zu finden. Und nein, einfach ab sofort keine Kleintiere mehr zu halten, wäre keine gute Lösung. Denn es gibt unheimlich viele Kaninchen und Meerschweinchen, aber auch Hamster, Mäuse, Ratten und weitere in Not und im Tierschutz.

Leider floriert die Vermehrung dieser Tiere massiv. Die Kleinanzeigen fluten regelmäßig über mit Ninchen- und Meeri-Nachwuchs, oftmals auch unerwünschter Nachwuchs von Zoofachtieren, aber auch junge Abgabetiere – meist in dem Alter wo dann eigentlich der Kostenpunkt Kastration anstehen würde.

 

 

Fatal! Viele Kinderbücher und Kinderspielzeug suggerieren Kindern tierschutzwidrige Bedingungen als "Normalität".
Fatal! Viele Kinderbücher und Kinderspielzeug suggerieren Kindern tierschutzwidrige Bedingungen als "Normalität".

 

Wie kommt es zu dem Kleintierelend?

Ein Kleintier wird viel leichtsinniger und schneller angeschafft als beispielsweise ein Hund oder auch eine Katze. Sie machen in der Regel nicht zu viel Arbeit und der Dreck beschränkt sich auf den Bereich der ihnen zur Verfügung steht – meist ein viel zu kleiner Käfig. Es gibt auch keine Beanstandungen seitens der Vermieter wenn es um Kleintiere geht, und sie kosten in der Anschaffung erstmal weniger als ein größeres Haustier.

Auch ist ihre Lebensdauer nicht immer ganz so lang. Wobei Kaninchen durchaus auch mal 12 Jahre und Meerschweinchen bis zu 8 Jahre werden können.

 

Der zweite große Punkt sind die Zoofachläden. Hier ist das Tier Ware. Wird es krank oder zu alt, weil nicht schnell genug verkauft, kommt es durchaus vor, dass das Tier unsachgemäß getötet und oder gegebenenfalls noch verfüttert wird. Auch werden oft bereits trächtige Jungtiere verkauft, denen man ihre Trächtigkeit noch nicht ansieht.

 

Unter den maßlos überteuerten Käfigen findet sich praktisch nichts artgerechtes.  Gerade mal 2 von 50 Modellen gibt es, die man guten Gewissens nutzen könnte. Die Tiere kommen meist von Vermehrern, sind nicht an die Hand gewöhnt, nicht auf Gesundheit gezüchtet.. eben einfach Ware vom Fließband.

Ich möchte hier jetzt nicht alle Menschen verteufeln die im Zoofach arbeiten, ich bin sicher dass es auch hier echte Tierfreunde gibt. Ich war auch schon einmal in einer Filiale einer großen Kette zu Besuch, die die Herkunft der Tiere angab (vom Züchter) und kranke Tiere vom Tierarzt behandeln ließ. Aber das ist immer noch nicht die Regel!

Weiter geht es mit minderwertigem Futter bekannter Marken, dass in keiner Weise artgerecht oder gesundheitsfördernd für die Tiere ist, da es meist Dinge enthält die der natürlichen Ernährung des Tieres nicht annähernd nahe kommen und zusätzlich noch Zucker, oft in Form von Honig.

Zu allem Übel kommt noch das ungeschulte Personal. Im Zoofach habe ich schon Leute erlebt die Ratten und Rennmäuse nicht einmal unterscheiden konnten. Und diese Leute beraten dann die Kundschaft bezüglich Haltung und Pflege der Tiere. Das kann ja nichts werden.

 

 

Hier erkennt man gut die beknabberten Gitterstäbe. Das notorische Knabbern am Gitter ist eine Verhaltensstörung die meist aus Langeweile und Stress resultiert.
Hier erkennt man gut die beknabberten Gitterstäbe. Das notorische Knabbern am Gitter ist eine Verhaltensstörung die meist aus Langeweile und Stress resultiert.

  

Wo kann man sich über das jeweilige Kleintier informieren?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Aber wenn man etwas Zeit in die Recherche steckt, kommt man schon ans Ziel. Auf Bücher ist leider auch nicht immer Verlass. Im Internet kann man sehr gute Foren und auch Facebook-Gruppen finden. Meistens sind es die, die gegen Vermehrer und Zoofachläden sind, und recht strenge Ansichten haben, die sich am Besten auskennen. Ansonsten wäre eine Notstelle ein guter Anlaufpunkt, wie zum Beispiel die Rattenhilfe, die Kaninchenhilfe oder in Tierheimen. Wobei kleinere Tierheime manchmal nur Hilfsarbeiter aber kein geschultes Fachpersonal haben, daher würde ich mich immer vorab selber informieren.

 

Meiner Meinung nach eine der besten und umfassendsten Seiten mit Informationen zu Kleintieren: Diebrain.de

 

Maße für ein artgerechtes Gehege, ob gekauft oder Eigenbau, kann man ganz einfach bei CageCalc berechnen.

 

 

Welches Kleintier passt zu mir?

Hierzu kann man sich selbst einfach ein paar Fragen stellen und dann die Antworten mit den Anforderungen des jeweiligen Tieres vergleichen:

 

  • Wie arbeite ich / wann bin ich Zuhause und wach? Manche Kleintiere sind dämmerungs-und nachtaktiv.
  • Wie viel Zeit habe ich für die tägliche Versorgung?
  • Wie viel Platzangebot habe ich?
  • Was möchte ich mit dem Tier machen? Nur beobachten? Kuscheln? Tricks beibringen?
  • Wie lange kann ich die Verantwortung übernehmen? Je nach Kleintier beträgt die Lebensdauer 2 bis 12 Jahre und mehr.
  • Möchte ich nur ein einzelnes Tier oder mehrere halten?
  • Ist es okay wenn das Tier laut kommuniziert? Oder bevorzuge ich lieber einen stillen Mitbewohner?
  • Möchte ich ein Tier dass stubenrein wird, bzw die Nagertoilette benutzen lernen kann, oder ist mir das egal?
  • Wie viel Geld kann und will ich investieren? Größere und mehrere Kleintiere brauchen natürlich allein für die Versorgung mehr Geld, aber Achtung auch bei einem Hamster kann es zu ordentlichen Tierarztrechnungen kommen!

 

"Lasst mich raus aus dem Knast!"
"Lasst mich raus aus dem Knast!"

 

Wo adoptiere ich mein neues Haustier?

Bitte, bitte, bitte nicht im Zoofachladen! Neulinge sollten sich an Tierheime und Nothilfen wenden. Es gibt wirklich mehr als genug Kleintiere, die ein neues Zuhause suchen. Wenn man es aus dem Tierschutz adoptiert ist es auch bereits kastriert, medizinisch versorgt und gegebenenfalls geimpft (Kaninchen). Auch bekommt man hier schon gut integrierte Gruppen oder Paare, wenn man ein soziales Gruppentier halten möchte.

 

Bereits erfahrene Halter können sich auch in das Abenteuer "Second-Hand-Tier von Privat" oder sogar "Tier aus schlechter Haltung" wagen. Hier darf man mit Überraschungen rechnen. Krankheit, Trächtigkeit, Ängstlichkeit, Bissigkeit usw.

 

Natürlich gibt es auch für Kleintiere Züchter. Sehr viele Kleintierzüchter legen ihr Augenmerk hauptsächlich auf Schönheit und halten ihre Zuchttiere keinesfalls artgerecht. Kaninchen, die den gleichen Bewegungsdrang wie Katzen haben, in 50x50cm Boxen zu halten kann einfach nicht artgerecht sein. Auch werden sie oft auf bestimmte Merkmale gezüchtet, die wiederum gesundheitliche Probleme mit sich bringen (Bestimmte Haarstrukturen und Farben). Auch hier möchte ich nicht alle Züchter verteufeln, es gibt durchaus auch vernünftige mit dem Ziel des Rasseerhalts, guter Gesundheit und Zahmheit. Aber angesichts der schwarzen Schafe und der vielen Nottiere sollte dies die allerletzte Option bleiben.

 

Ein gutes Polster für kommende Tierarztrechnungen ist in jedem Fall angebracht. Denn auch wenn sie klein sind, so sind es genauso Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen und sie haben genauso das Recht auf eine gute medizinische Betreuung – auch die kleine Farbmaus! Ein regelmäßiger "TÜV" des Kleintieres sollte vom Halter durchgeführt werden, um eventuell auftretende Krankheiten schnell zu erkennen. Auch die Kastration ist bei der Gruppenhaltung ein wichtiges und manchmal kostspieliges Thema. Denn das Sprichwort "Sich vermehren wie die Karnickel" kommt nicht von ungefähr, und Ratten und Co können da auch prima mithalten.

 

Ich werde in nächster Zeit einzelne Kleintierarten näher beleuchten. Bis dahin, viel Freude mit euren kleinen Schnuffelnasen und Trippelpfötchen.

 

 

Alles Liebe, eure Vivi vom Lola&Lumpa-Team

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0