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Meerschweinchen. Brommselpopos. Gurkenmonster. Popowackler.

 

Es gibt wirklich unendlich viele Spitznamen für diese süßen Nager. Ich denke die pummeligen Quiecker gehören zu den beliebtesten Kleintieren. Dadurch sind sie leider auch mit Kaninchen am häufigsten anzutreffen in Tierheimen und Nothilfestellen.

 

Die süßen kleinen Brommselbienen sind auch wirklich lustige Gesellen. Allerdings keine Kuscheltiere! Trotzdem finde ich sie persönlich gar nicht sooo ungeeignet für Kinder, wenn – natürlich wie immer – die Eltern die Hauptverantwortung tragen und ein respektvoller Umgang gelernt wurde. Löwenzahn und anderes Grünzeug sammeln und die Muckelnasen dann aus der Hand füttern macht nämlich schon den Kleinsten Spaß. Im Kinderzimmer sollte das Gehege allerdings nicht stehen.

 

 

Wo kommen sie her, wo gehen sie hin.

Ursprünglich sind unsere Meerschweinchen in Mittel- und Südamerika beheimatet. Wildmeerschweinchen leben dort in Höhlen, diese müssen aber nicht unterirdisch sein und werden nicht selbst gebuddelt. Oftmals leben sie in dichten Gebüschen, wo sie sich ihre Gänge nagen. Sie sind dämmerungsaktiv (morgens und abends) und zu ihrer Hauptnahrung gehören Gräser, Kräuter sowie andere Grünpflanzen.

Im 16. Jahrhundert wurden Hausmeerschweinchen nach Europa und Nordamerika exportiert. Deren Nachkommen bilden den gesamten, heutigen Bestand in diesen Erdteilen. Jedoch existieren in Südamerika weiterhin unabhängige, ältere Linien. Diese Meerschweinchen sind oft größer als ihre fernen Verwandten in Europa und Nordamerika.

 

 

Eckdaten.

  • Die Lebenserwartung eines Meerschweinchen liegt bei 6-8 Jahren.
  • Mit circa 8-12 Monaten sind sie ausgewachsen.
  • Sie werden etwa 20-35cm groß.
  • Das Gewicht liegt zwischen 700 und 1600g – Männchen sind in der Regel schwerer.
  • Meerschweinchen sind Gruppentiere.
  • Man kann sie innen und bei entsprechender Gewöhnung ganzjährig außen halten.
  • Viele Farb- und Fellvarianten.

 

Gesellschaft.

Schon die Vorfahren unserer Schweinchen lebten in Harems zusammen in einem Unterschlupf. Wie auch bei Ratten, Mäusen und Kaninchen kann man nur immer wieder betonen, dass es für niemanden Vorteile bringt ein soziales Gruppentier alleine zu halten. Sie werden definitiv sehr unglücklich und stehen dadurch unter Stress, was sich negativ auf die Gesundheit auswirkt. Auch wenn Mensch dies nicht sehen kann (oder will).

Natürlich sind mehrere Tiere lauter, brauchen mehr Platz und kosten mehr Geld (Futter, Austattung, Tierarzt). Jedoch bringt eine Gruppe allen viel mehr Freude und ab vier Tieren ist sogar richtig was los. Es ist einfach traumhaft zu sehen, wie viel Spaß die Tiere miteinander haben und wie sie miteinander interagieren, sich unterhalten, zusammen fressen, zusammen leben. Außerdem haben die Tiere immer sich, sind nie alleine und sind nicht auf den Menschen angewiesen was Beschäftigung und Interaktion angeht. Ganz wichtig aber: die Gesellschaft muss aus Gleichartigen bestehen! Bitte niemals Kaninchen und Meerschweinchen zusammen halten!

Nur weil diese sich nicht streiten, heißt das längst nicht dass sie zusammen glücklich sind. Sie sprechen völlig verschiedene Sprachen.

Generell ist eine Mischgruppe mit einem Kastraten und ein paar Mädels am einfachsten und daher gut für Anfänger geeignet. Wer mehr Erfahrung hat, kann sich durchaus auch an andere Zusammenstellungen und sogar Bockgruppen wagen.

 

 

Körpersprache.

Interessanterweise wird die Meerschweinchensprache von unwissenden Menschen oft falsch interpretiert. Zum Beispiel das Kopfstoßen beim Streicheln ist keinesfalls ein genussvolles "Ich will mehr!" sondern viel mehr eine Warnung die bedeutet "Lass mich in Ruhe!".

Um seine Schweinchen richtig zu verstehen und ihr Verhalten deuten zu können, ist es sinnvoll sich die häufigsten Ausdrucksformen einzuprägen.

Neben der Körpersprache haben Meeris aber auch ein recht großes Repertoire an Lautsprache, mit dem sie sich verständigen können. 

 

 

Das Gehege.

Für ein Paar oder eine Kleingruppe (3 Tiere) sollte die Mindestfläche 1,50m x 75cm betragen.

Im Zoogeschäft gibt es, wie schon so oft erwähnt, kaum was brauchbares fertig zu kaufen. Bei Fressnapf bekommt man das Modell "Colosseum 160" mit den Maßen 160x80x58cm und bei Bedarf einem passenden Käfigständer. Wenn man das noch verbessern möchte, kann man sich im Baumarkt Holz zuschneiden lassen und noch eine Längsetage fertigen. Darunter hat man dann einen höhlenartigen Raum, wo man auch gut Hängematten anbringen kann.

Bei Amazon findet man noch das ein oder andere, ansonsten kann man sich zum Beispiel ein Fertiggehege bei Kleintiervilla oder bei Käppel-Germany besorgen. Die doppelstöckigen Varianten (sei es nun Käfig oder Gehege) sind wirklich nur okay, wenn die Grundfläche einer Ebene stimmt, denn sie brauchen die Rennfläche an einem Stück. Demnach bringen mehrere kleine Etagen nicht die selbe Auslastung.

 

Günstiger ist die Eigenbau-Variante. Da gibt es viele, recht einfache Möglichkeiten. Man kann sich einfach Holz zuschneiden und es zusammen zimmern, aber man kann auch große Schreibtische umfunktionieren oder Hochbetten für Kleinkinder. Diese sind wirklich super, sie haben nur die halbe Höhe, so dass man die Tiere noch gut beobachten und versorgen kann, eine tolle Größe (2 x 1 m) und sind ganz simpel umzubauen. Man braucht nur einen Boden auf dem Lattenrost, welchen man dann entweder mit Teichfolie oder mit Laminat und Silikon abdichtet. Dann noch die Umrandung mit Plexiglas versehen. Tada. Fertig.

 

Eine weitere sehr günstige und einfache Variante ist das Zweckentfremden von Songmics Regalsystemen. Diese kann man variabel zusammenstecken um sich ein Bodengehege zu bauen. Hier sollte man nur darauf achten, ob die Meerschweinchen eventuell zum knabbern neigen, was weniger gut wäre, da es aus Plastikfantastik besteht.

 

In Deutschland noch nicht so weit verbreitet, aber auch total variabel und praktisch, sind die sogenannten C&C Cages. Auch diese kann man ganz variabel zusammenstecken, erweitern und sogar Etagen bauen.

 

 

Einrichtung.

Halten kann man die Möppels auf Streu oder Fleece (ähnlich wie bei Ratten). Die Einrichtung sollte natürlich und plastikfrei sein. Meeris lieben viele Unterschlüpfe, Unterstände, Höhlen und Häuser. Häuser sollten immer 2 Eingänge haben, damit sie stehts flüchten können und kein Streit entsteht. Das Mindestmaß eines solchen Hauses sollte 35x35 cm betragen und eine Höhe von 12-15 cm haben. Ein Flachdach ist optimal, da die Schweinchen da auch gerne mal drauf springen und diese als Aussichtsplattform nutzen.

 

Ideal ist auch Zubehör aus Kork, da es ungiftig und robust ist. Hier findet man sehr schöne Höhlen und Röhren, es sollte aber auf ausreichend Durchmesser geachtet werden, damit die Dickbrommseln nicht stecken bleiben.

Als Unterschlüpfe eignen sich Etagen aller Art. Seien es nun fest montierte oder frei stellbare. Da kann man auch so einiges zweckentfremden, auch kleine Beistelltische eignen sich manchmal.

 

Wichtig wäre nur, dass all die begehbaren Holzflächen mit Sabberlack urindicht und hygienisch abwaschbar gemacht worden sind.

Heuständer, Heuraufen, Heukörbe.. Heu Heu Heu wohin das Auge reicht. Heu sollte ständig verfügbar sein. Zusammenklappbar sollten sie aber nicht sein, da die Butzen da auch gerne mal drauf springen. Es gibt aber einige gut geeignete im Handel.

Kreative Bastelideen für Heuraufen findet ihr auch hier.

 

Besonders im Sommer sind kühle Materialien beliebt. Tonröhren aus dem Baumarkt (ganz wichtig auch hier wieder auf einen Mindestdurchmesser von 15 cm zu achten) oder auch einfach Kachelfliesen die auf den Boden gelegt werden, als Kühlplatte.

Kuschelsachen, wie schon einmal bei den Ratten gezeigt, stehen auch bei Meerschweinchen hoch im Kurs. Geeignete Hängematten, Kuschelhöhlen und Co findet ihr unter anderem bei Die Kuschelzwerge oder The Cosy Hut.

 

Für die Selbstmacher sind hier auch Nähanleitungen zu allen Kuschelsachen.

 

 

Außenhaltung.

Die Außenhaltung ist sehr artgerecht und schön für die Tiere. Man muss aber ehrlich zugeben, dass es für den Menschen aufwendiger ist.

In der Außenhaltung sollte die Gruppe aus mindestens 3-4, gerne auch bis zu 10 oder mehr Schweinchen bestehen. Wichtig ist ein gutes, ausreichend großes, aus- und einbruchsicheres Gehege. Idealerweise steht es halb sonnig, halb schattig, und hat ein isoliertes, wetterfestes Schlafhaus/-gebäude.

 

Die üblichen Gehege für die Außenhaltung sind in aller Regel viel zu klein als alleiniger Lebensraum. Hiermit meine ich den klassischen Kleintierstall aus Holz, welcher meist doppelstöckig ist und eine Größe von 1 x 0,50m oder 1,20 x 0,50m hat. Das geht natürlich nicht als Gesamtgehege. Jedoch als "Wohnhaus" im Außengehege kann man sie gut nutzen, da es auch viele isolierte Modelle gibt.

 

Überhaupt wäre es schon etwas schwachsinnig die Schweinchen draußen zu halten, ihnen aber den Kontakt zum Boden und Gras zu verwehren. Ein Freigehege sollte also nicht mal ab und an aufgestellt werden, sondern fester und ständiger Bestandteil des Außengeheges sein. Dieses muss zwingend gut gesichert und wie oben bereits erwähnt ein- und ausbruchsicher sein, um die Meerschweinchen auch vor Fressfeinden zu schützen (Marder, Katzen, Greifvögel usw).

 

Der Stall muss stehts trocken gehalten und daher besonders oft gereinigt werden. Im Sommer muss man auf Hitzestau achten und im Winter alles zusätzlich mit Stroh isolieren und stetig frisches Wasser bereiten, da dieses bei entsprechend kalten Temperaturen gefriert. Außerdem kann man ab Herbst auch ernährungstechnisch auf den Winter vorbereiten.

 

Eine gute und erleichternde Lösung ist die Außenhaltung im Sommer und Innenhaltung im Winter.

 

Ernährung.

Meerschweinchen sind Grünzeugvernichter, eine Futterliste (auch als PDF zum ausdrucken) mit allem was sie dürfen und nicht dürfen findet ihr hier.

 

 

Woher bekomme ich meine Meerschweinchen?

Wer neu auf meinem Blog ist, liest das jetzt zum ersten Mal von mir, alle anderen können es vielleicht schon nicht mehr hören: zweite Wahl ist immer erste Wahl!

Damit meine ich, dass man möglichst immer Second-Hand-Tiere beziehungsweise Tierschutztiere adoptieren sollte. Geht bitte, bitte in euer ortsansässiges Tierheim!

Wenn es dort gerade nichts passendes geben sollte, besucht die Tierheime der nächsten Städte. Findet ihr auch dort nichts passendes, sucht einfach mal im Internet nach Meerscheinchen-Nothilfe (oder ähnlichem) oder macht euch in einem guten Meeri-Forum schlau.

Bei Abgabetieren von Privat (welche oftmals aus der Zoohandlung stammen) ist darauf zu achten umgehend einen Tierarzt zu konsultieren. Außerdem müsst ihr mit Trächtigkeit der weiblichen Tiere rechnen.

 

Wer nochmal richtig tief in die Materie eintauchen will, dem empfehle ich "schweinchenwelt - Der Meerschweinchen Ratgeber". Hier gibt es auch ein gutes Meerschweinchen-Forum.

 

Alles in allem ist zu sagen, dass Meerschweinchen wirklich tolle Haustiere und zurecht so beliebt sind. Überlegt euch allerdings gut, ob ihr die ständigen Kosten tragen könnt (auch der Tierarzt wird öfter mal gebraucht) und ob ihr den nötigen Platz habt.

 

Alles Liebe euch und euren Brommseln!

 

Eure Vivi vom Lola&Lumpa-Team 

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