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Was tun wenn es draußen knallt? Silvester, dein Tier und du.

 

Kurz nach der stillen, heiligen Nacht, dem Fest der Liebe und Ruhe, feiern wir Silvester. Eine weltweite Tradition an Silvester ist das Feuerwerk. Besonders nervig finde ich persönlich die Böller die bereits einige Zeit davor, gerne auch tagsüber, losgelassen werden und nichts weiter können als furchtbar laut zu knallen.

 

Die meisten Tiere sind nicht erfreut über diesen Umstand. Sie verstehen den Zusammenhang zwischen den lauten, plötzlichen Geräuschen nicht, und mit ihrem sensiblen Gehör muss das ganze noch viel furchterregender sein.

Aber nicht nur Vögel und andere Wildtiere leben in Angst, sondern auch unsere Haustiere. Manche unserer Katzen und Hunde haben jedes Jahr aufs Neue große Probleme damit.

Für sie bedeutet es großen Stress und die Anzahl der Vermisstmeldungen um Silvester steigt stetig. Eigentlich sollte mittlerweile jedem Hundehalter klar sein, dass man einen Hund um Silvester NICHT ableint, ebenso wie man einen Hund im Sommer nicht im Auto lässt. Und Freigängerkatzen sollten zu ihrer eigenen Sicherheit in der Silvesternacht Zuhause eingesperrt bleiben.

 

Wie kann man vorbeugen?

Vorbeugen ist besser als Heilen. Wie bei allen Alltags- und Lebenssituationen ist es sinnvoll bereits den Welpen/das Kitten an unangenehme, unausweichliche Situationen heranzuführen. Natürlich kann man aber auch erwachsene Hunde und Katzen, die sich bereits ängstlich zeigen noch an vieles gewöhnen und an einer Gegenkonditionierung arbeiten.

 

In jedem Fall sollte man sich viel Zeit nehmen und in kleinen Schritten mit positiver Bestärkung arbeiten. Es gibt im Handel sogenannte Geräusch-CDs mit denen man an der Desensibilisierung arbeiten kann, indem man Länge und Lautstärke langsam steigert und wenn der Hund/die Katze entspannt bleibt positiv bestärkt. Zeigt das Tier sich jedoch ängstlich, ist man eventuell zu schnell voran gegangen und sollte nochmal zwei Schritte zurück im Training.

 

Auch ist es hilfreich dem Tier ein Entspannungskommando beizubringen. Das klingt erstmal befremdlich: sich auf Kommando entspannen? Aber wir alle haben Erfahrung mit Assoziationen die unser Unterbewusstsein knüpft, wenn zum Beispiel ein bestimmter Duft an einen schönen Augenblick aus der Kindheit erinnert und uns ein Wohlgefühl verschafft.

So funktioniert das im Prinzip auch mit dem Entspannungskommando. Es ist eine Sache, die langsam und über lange Zeit aufgebaut und später auch immer wieder aufgefrischt werden muss, aber sie kann äußerst hilfreich sein!

Immer wenn das Tier besonders entspannt ist, schön gekrault wird, komplett entspannt da liegt, dann sagt man ein ruhiges kurzes Wort, das man sonst nie verwendet.

Dieses kann man während dem Streicheln, dem Massieren, immer wiederholen, wie ein Mantra. Eignen würden sich zum Beispiel Worte wie "smooth", "calm". Natürlich kann hier jedes beliebige Wort verwendet werden, es sollte aber weich klingen und mit ruhiger, entspannter, langsamer und eher tieferer Stimme eingesetzt werden. Smooooooth... Caaaaaaaalmmmm.... In meinen Beispiel hier englische Worte, weil man diese eventuell im Alltag weniger verwendet als deutsche.

 

 

 

Wie erkenne ich ob mein Hund Angst hat?

  • eingeklemmte Rute
  • Unruhe
  • Winseln
  • Zittern
  • übermäßiges Bellen
  • Hecheln mit weit nach hinten gezogenen Mundwinkeln und offenen starren Augen
  • Lefzen lecken
  • Gähnen
  • angelegte Ohren
  • aufgerissene Augen
  • erweiterte Pupillen
  • Fluchtversuche

 

Wie erkenne ich ob meine Katze Angst hat?

  • Vergrößerte Pupillen
  • Unruhe
  • dauerndes Miauen
  • angelegte Ohren
  • Fluchtversuche

 

 

 

Wie kann man seinem Tier akut helfen?

 

Auslastung.

Zuerst einmal gilt für alle Hunde, egal ob ängstlich oder nicht, dass man sie in der Zeit um Silvester nicht ableint. Weiß man, dass sein Hund ängstlich reagiert ist sogar eine Doppelsicherung oder ein Sicherheitsgeschirr angebracht. Vor dem Silvesterabend sollte man einen langen, ausgedehnten Spaziergang in ruhiger Gegend machen. Auch an der Leine kann der Hund gut ausgelastet werden und Spaß haben, indem man neue Wege erkundet und viel Kopfarbeit macht. Diese Auslastung ist zum einen nötig, da man bei Dunkelheit das Hinausgehen mit dem Hund an Silvester möglichst vermeiden sollte und es für einen ohnehin schon ängstlichen Hund nichts schlimmeres als einen unnötigen Energiestau geben kann. Auslastung ist der erste Schritt zur Entspannung.

 

Das Tier nicht alleine lassen.

Bitte lasst euer geliebtes Familienmitglied in dieser für ihn schweren Zeit nicht einfach hilflos alleine Zuhause. Ihr seid seine Familie, sein Rudel, sein Anker. Als soziales Wesen bei Angst auch noch alleine sein zu müssen ist wirklich nicht schön.

 

Ruhezonen schaffen.

Richtet dem Hund seinen Lieblingsplatz besonders gemütlich ein. Gerne werden höhlenartige, geschützte Schlafplätze angenommen. Zum Beispiel ein Hundekennel mit einer Decke darüber, oder auch ein Körbchen unterm Tisch, oder ein Platz unter dem Bett können Sicherheit schaffen.

Auch für Katzen eignen sich Höhlen jeglicher Art und oder erhöhte Plätze, das kommt auf die Katze an. Ein hoher Kratzbaum mit erhöhter Kuschelhöhle ist eventuell ideal. Vielleicht verkriecht sich die Katze aber auch lieber unter dem Bett oder zu euch unter die Bettdecke.

 

Abschirmen.

Rollos runter und Radio oder Fernseher anschalten. Logischerweise keine Action-Filme mit lauter Knallerei sondern vorzugsweise etwas ruhiges, bei Musik wären Klassik, Smooth Jazz oder Lofi Hip Hop Radio zum Beispiel toll. 

 

Ablenken.

Solange das Tier noch nicht richtig in Panik verfallen ist, kann man es gut ablenken. Lieblingsspiele oder Lieblingstricks machen, hochmotiviert loben und Leckerli regnen lassen! Das Suchen, Sammeln, Kauen und Schlucken beruhigt und lenkt ab.

 

 

 

Zuwendung ist erlaubt!

Leider raten einige Trainer und Ratgeber immer noch dazu, das Tier bei Angst zu ignorieren. Das soll verhindern, dass man die Angst unbewusst bestätigt. Natürlich ist es keinesfalls hilfreich, wenn man die Angst bestätigt und damit verstärkt. Wenn man selber sehr unsicher ist, sollte man daher auf jeden Fall vorbeugend arbeiten und sich auch selbst vorbereiten.

Kontaktliegen, streicheln, massieren und sanftes sprechen entspannen das Tier – und den Menschen – und sollte man daher auch machen, WENN das Tier es wünscht. Manche ziehen sich aber lieber einfach zurück in ihre Ruhezonen.

Was man nicht tun sollte, ist das Tier zu bemitleiden und übermäßiges bemuttern, in dem man das Tier herumträgt, auf seinen Schoß nimmt und bedauert. Das wäre eine Bestätigung und somit letztendlich Verstärkung der Angst und keine Hilfe für das Tier.

Es ist wichtig dass man selbst positiv gestimmt bleibt, man weiß ja dass die Welt nicht wirklich untergeht, und dieses optimistische, entspannte Gefühl auch dem Tier vermittelt.

 

Tellington Touch oder Canine Bowen.

Ttouch und die Bowentherapie sind Formen von manueller, nicht invasiver Therapie, bei der durch gezielte Berührungen Ängste, Schmerzen und weitere Probleme behandelt werden können.

Man kann einen ausgebildeten Therapeuten hinzuziehen oder sich selbst durch entsprechende Kurse fortbilden.

 

ThunderShirt.

Der sanfte, gleichmäßige Druck des ThunderShirts soll, ähnlich wie beim Pucken von Babys, das Tier mit einer Erfolgsquote von 80% beruhigen. Es gibt die Shirts in verschiedenen Ausführungen und Größen für Hund und Katz. 

 

Beruhigungsmittel.

Es gibt auf dem Markt einige pflanzliche Medikamente, die man rezeptfrei kaufen kann. Sie sollen das seelische Gleichgewicht fördern und den Stress lindern. Viele Mittel können kurz zuvor verabreicht werden, manche auch über einen längeren Zeitraum um bei allgemein nervösen Tieren die Anspannungen zu lösen. Bachblüten Rescue-Tropfen, Zylkène , Adaptil (für Hunde) und Feliway (für Katzen) zählen zu den bekanntesten.

 

Auch Nahrungsergänzungsmittel können helfen: In unserem Shop findet ihr für eure Hunde "Trixie Ruhe&Entspannung Tabletten", diese können als Kur bereits einige Wochen vorab gegeben werden. Für eure Katzen haben wir die "GimCat Anti-Stress Paste" im Angebot. Diese Nahrungsergänzungsmittel beinhalten beide unter anderem den Wirkstoff L-Tryptophan, welcher die Serotoninbildung (Glückshormon) ankurbelt.

 

Mit richtigen Betäubungsmitteln sollte man aber niemals Selbstmedikation betreiben und diese nur nach Absprache mit einem Tierarzt einsetzen. Es gibt nämlich einige Betäubungsmittel die lediglich die Muskeln entspannen ( zum Beispiel Mittel mit dem Wirkstoff Acepromazin, vertrieben unter den Handelsnamen Vetranquil, Sedalin, Calmivet oder Prequillan). In dem ruhig liegenden Tier steckt dann aber eventuell immer noch ein nervöser Geist.

 

 

 

Urlaub in ruhiger Fremde.

Zu guter Letzt bleibt die Option einfach wegzufahren. Irgendwohin wo es ruhig ist und man dem Silvesterstress einfach entkommt. Sicher nicht für jeden eine Lösung, aber manch einer wird gerne darauf zurück greifen. Vielleicht hat man auch ein paar liebe Freunde oder Familienmitglieder, die dem Ganzen auch gerne entkommen möchten, und kann so eine schöne neue Tradition schaffen, ohne alleine sein zu müssen.

Das wäre zumindest ein sehr viel besserer und sinnvollerer Einsatz des Geldes. Wer Zuhause bleibt und trotzdem nicht böllert, kann sein Geld auch einfach sparen oder spenden. Nicht nur die Haustiere, auch die vielen Wildtiere und Vögel werden es einem danken!

 

Fazit.

Bei eigener Unsicherheit und oder großen Angsthasen ist die Zusammenarbeit mit einem Trainer sinnvoll. Das Gute ist, jedes Jahr wenn das Drama überstanden ist, hat man wieder ein ganzes Jahr Zeit um sich vorzubereiten und es nächstes Mal noch besser zu überstehen.

Und vergesst nicht: mit ihren Verhaltensweisen geben unsere Tiere uns auch immer wieder die Möglichkeit an uns selbst zu arbeiten und zu wachsen.

 

Alles Liebe, eure Vivi vom Lola&Lumpa-Team

 

 

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