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Farbmäuse. Qierlige Kletterkünstler.

 

Klein aber oho!

Für viele lediglich nur Futter- oder Versuchstier (allein im Jahr 2016 wurden fast 2 Millionen Mäuse als Versuchstiere missbraucht, Quelle: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de) ist die kleine Farbmaus doch ein sehr unterhaltsames und intelligentes Haustier.

 

Auf YouTube findet man sogar reichlich Videos mit Mäuse-Agility in denen gezeigt wird, wie sie ganze Parcours durchlaufen und einige Tricks gegen Futter vorführen. 

 

 

Die possierlichen Tierchen stammen von der Hausmaus ab, welche sich dem Menschen schon vor mehreren tausend Jahren anschloss, als dieser mit dem Ackerbau begann.

Farbmäuse sind reine Beobachtungstiere, die dämmerungs- und nachtaktiv sind, und daher nicht für Kinder geeignet. Die kleinen Kletterkünstler sollten tagsüber nicht unnötig geweckt werden, da sie sehr stressanfällig sind, was sich negativ auf ihr Immunsystem auswirkt. Abends hat man dann aber viel Freude ihre Wuselei zu beobachten. Ihr Schwanz dient als Ruder und Kletterhilfe, ähnlich wie bei einem Äffchen, außerdem buddeln sie liebend gerne Tunnel. Bei der Einrichtung des Geheges kann man sich kreativ richtig ausleben.

 

 

Eckdaten.

Wie der Name schon vermuten lässt, gibt es die Farbmaus in vielen Variationen, wie verschiedene Zeichnungen und Farbkombinationen, darunter auch verdünnte Farben wie das sogenannte Silber und Champagner. Außerdem auch verschiedene Fellarten, wo wir aber schon bei der Qualzucht sind. Zu den Qualzuchten zählen Tanzmäuse, Nacktmäuse, schwanzlose Mäuse und Mäuse mit Fettgen (rotstichige Mäuse), sowie Locken-, Rex- und Langhaarmäuse, nähere Informationen dazu findet ihr hier.

 

  • Die Lebenserwartung von Farbmäusen ist mit 1- 2,5 Jahren sehr gering, trotzdem oder gerade deswegen sollte man sie stehts gut beobachten um Krankheiten schnell zu erkennen und behandeln zu können.
  • Geräusche, außer das Fiepen bei Streit, können eigentlich immer als Krankheitsmerkmal anerkannt werden.
  • Die normale Kommunikation von Mäusen findet nämlich im Ultraschallbereich statt und ist für uns Menschen nicht hörbar.
  • Die kleinen Mäuschen wiegen durchschnittlich 25 bis 50 g und erreichen eine Größe von 8 bis 11 cm plus Schwanzlänge von 7 bis 10 cm.

 

Ernährung.

Die Ernährung sollte Saaten, Körner, Frischfutter (von Gemüse, über Gräser und Blumen bis hin zu Zweigen und Blätter), sowie tierische Proteine umfassen. Eine ausführliche Erläuterung findet ihr hier.

 

 

Haltung, Gehege und Einrichtung.

Man würde nicht vermuten dass solch kleine Tiere, die so günstig zu erwerben sind, doch recht hohe Ansprüche mit sich bringen. Die angebotenen winzigen Mäusekäfige im Zoofachhandel sind fast allesamt ungeeignet.

Richtige Farbmausfans greifen daher meist auf den Eigenbau zurück. Das Gehege sollte mindestens die Maße 1,50 m x 50 cm x 60 cm haben. Hierbei ist die Einhaltung der Höhe von mindestens 60 cm notwendig, um ausreichend Klettermöglichkeiten schaffen zu können. Der Standort sollte gut gewählt sein, denn Zugluft oder starke Temperaturschwankungen machen den Tieren zu schaffen.

 

Neben reichlich Inventar aus Holz, Kork und Ton zum Klettern, Turnen und Verstecken brauchen die Mäuse auch tiefe Einstreu – mindestens 30 cm, ebenso wie Hamster und Rennmäuse, um nach Herzenslust buddeln zu können.

 

Plastik ist im Mäusegehege tabu!

 

Auch ein artgerechtes großes Laufrad mit einem Durchmesser von 25 cm aufwärts darf nicht fehlen.

Zur Sicherung des Geheges muss Mäusedraht mit 6 mm Abstand verwendet werden, denn da wo die kleine Farbmaus ihr Köpfchen durchquetschen kann, bekommt sie auch den Rest vom Körper durch.

Links zu passenden Gehegen, Einrichtung und Futter findet ihr in meinem Blog-Beitrag über Hamster.

 

 

Zusammensetzung der Mäusegruppe.

Die quirlige bunte Maus ist sehr sozial und gesellig und lebt am liebsten in großer Familienbande, umso mehr desto besser. Eine Gruppe sollte aber mindestens aus 4 Tieren bestehen. Meist werden reine Weibergruppen gehalten, oder Gemischtgruppen mit Kastraten.

 

Die Haltung von unkastrierten Männchen ist sehr schwierig. Nur allzu leicht kommt es zu tödlichen Revierkämpfen, mal abgesehen vom doch sehr eindringlichen Odeur der männlichen Tiere. Oft werden diese Männergruppen dann in zu kleinen Käfigen gehalten, in der Hoffnung das territoriale Verhalten zu unterbinden. Ob sowas die Tiere jedoch glücklich macht, ist fraglich.

 

Die Kastration von Farbmäusen gehört heutzutage zu den Standartleistungen der meisten Tierärzte. Gegebenenfalls muss man ein paar durchklingeln, da so mancher Tierarzt der älteren Generation damit nicht so vertraut ist und nur größere Tiere wie Kaninchen, Katzen und Hunde kastriert. Wenn man aber einen hat der dies gewohnt ist, kann man den Eingriff für einen adäquaten Preis erledigen lassen. Ja, es kann vorkommen dass eine Maus dies nicht überlebt, das ist dann sehr schade. Aber trotzdem würde ich immer eine Kastration empfehlen, denn nur so kann die Maus wirklich ein glückliches, entspanntes Leben führen.

 

Es ist wirklich richtig schön zu beobachten wie harmonisch diese größeren Gruppen, seien es nun nur Weibchen oder gemischt, miteinander leben, spielen, futtern, schlafen, und sich putzen.

 

Unkastrierte Männchen mit Weibern zusammenzuhalten ist übrigens eine extrem schlechte Idee, da sie sich wie der Teufel vermehren. Der Nachwuchs wird dann direkt ein bis zwei Monate nach der Geburt schon wieder geschlechtsreif und so kann die Inzucht beginnen.

 

 

 

Der mäusetypische Geruch.

Auch wenn man keine unkastrierten Männchen hält, wird man den typischen Mäusegeruch bemerken. Stubenrein werden Farbmäuse nicht, das heißt eine angebotene Kleintiertoilette benutzen sie nicht. Allerdings ist zu beobachten das Sandbäder und Pappkartons bevorzugt für das Geschäft verwendet werden. Gebibbelt wird trotzdem wo sie stehen und gehen, da sie mit Urin markieren.

Mit dem Mäusegeruch muss man sich schon anfreunden können. Es ist bei sauberer Haltung auch wirklich mehr ein sehr eigener Geruch, als ein Gestank. Übertriebene Hygienemaßnahmen um diesen einzugrenzen sind aber ein Schuss in den Ofen, da dies nur zu intensiverem Urinmarkieren seitens der Mäuse führt. Daher ist es sogar gut nach der Reinigung wieder ein wenig von der benutzten Streu zu verteilen, damit es schön heimelig riecht.

 

 

Handling.

Mäuse sind sehr intelligente und neugierige Tiere und man bekommt sie mit Hilfe von Futter recht einfach zahm. Auch beißen tun Farbmäuse in der Regel nicht, sie neigen eher dazu zu flüchten und sich zu verstecken. Wenn eine Maus beißt, dann nur aus äußerster Not und Angst.

Man sollte die Mäuse auch nicht am Schwanz hochziehen, dies ist schmerzhaft und der Schwanz kann brechen. Beim Futterzähmen lernen sie aber auf die Hand zu kommen und sich auch anfassen zu lassen. Zum Kuscheln sind diese zarten, stressempfindlichen Tierchen trotzdem nicht geeignet. Sie sind Beobachtungstiere.

 

Ach übrigens: Wenn nachts einmal ein Mäuslein unbemerkt verstirbt, kann es sein dass man am nächsten Tag nur noch ein paar Überreste findet, wenn überhaupt.

Die toten Artgenossen werden aufgefressen um das Nest vor Fressfeinden zu schützen, die durch den Geruch angelockt werden könnten. Dabei wird sogar blutige Einstreu mit gefressen.

 

Wie bei allen anderen Haustieren plädiere ich auch hier mal wieder dazu, seine Farbmäuse in erster Linie aus dem Tierheim, dem Mäuseasyl oder von einer anderen Mäusenothilfe zu adoptieren.

 

Viel Freude beim Beobachten eurer kleinen Kletterkünstler!

 

 

 

Alles Liebe, eure Vivi vom Lola&Lumpa-Team

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