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Das Sozialverhalten von Kaninchen (Kaninchen artgerecht halten - Teil 1)

Man sollte mindestens zwei kastrierte Kaninchen zusammen halten. Optimaler wäre ein Bock mit zwei Weibchen als Minimum.
Man sollte mindestens zwei kastrierte Kaninchen zusammen halten. Optimaler wäre ein Bock mit zwei Weibchen als Minimum.

 

Leben in der Kaninchen-Kolonie

Hauskaninchen stammen vom Wildkaninchen ab und gleichen vom Wesen oder in ihren Ansprüchen immer noch fast exakt ihren Ahnen. Heutige Zuchtkaninchen sind jedoch weniger angepasst an die Umwelt und dürfen nicht einfach ausgesetzt werden. Bereits vor der Anschaffung von Kaninchen muss also bedacht werden, dass einem diese sozialen Tiere über Jahre erhalten bleiben und die ganze Zeit über hohe Ansprüche an ihren Lebensraum haben. Alles andere als Artgerecht wäre eine beengte Käfighaltung ohne Artgenossen.

 

Kaninchen sind Fluchttiere, die immer ihren Fluchtweg brauchen. In einem beengten Käfig fühlen sie sich bei einer Gefahrensituation nicht sicher. Eine Gefahrensituation kann bereits ein Geräusch, ein Geruch oder das Klopfen eines Kaninchens auf den Boden sein. Das Klopfen mit den Hinterfüßen ist ein Warnsignal. Kaninchen schauen kurz oder springen direkt in den nächsten Unterschlupf. Wer Kaninchen hält, der soll immer solch einen Unterschlupf berücksichtigen. Wenn die Tiere flüchten, dann soll der Halter sie nicht jagen, sondern abwarten, bis die Kaninchen von alleine neugierig schauen.

In ihrer Wildbahn leben Kaninchen als ganze Kolonie, die auf einander angewiesen ist. Kaninchen buddeln Gänge mit Schlafhöhlen und Fluchttunneln in den Boden. Diese Tunnelsysteme können mehrere 100 Meter Länge aufweisen und haben viele Ein- und Ausgänge.

 

Die Tiere haben durchaus eine Rangordnung sowie es dominante Kaninchen beiderlei Geschlechts gibt. Bei einer Vergesellschaftung in Gefangenschaft müssen die Tiere sich erst kennen lernen und auch aus dem Weg gehen können. Es kommt vor, dass Kaninchen sich selbst nach Wochen nicht richtig vertragen. Optimal ist immer ein Bock auf ein oder zwei Weibchen. Rammler sollen kastriert werden, um weniger zu markieren. Für Weibchen ist eine Kastration empfehlenswert, um nicht schwanger zu werden und nicht irgendwann Krebs zu kriegen. Die bei vielen strittige Kastration erhöht also auch die Lebenserwartung.

 

Das Buddeln ist ein natürliches Verhalten des Kaninchens. In Innenhaltung sollte mindestens eine Buddelkiste zur Verfügung stehen.
Das Buddeln ist ein natürliches Verhalten des Kaninchens. In Innenhaltung sollte mindestens eine Buddelkiste zur Verfügung stehen.

 

Hauskaninchen brauchen Artgenossen

Es gibt Kaninchen, die sich nicht miteinander vertragen werden und sich in einem gemeinsamen Kaninchengehege nicht genügend aus dem Weg gehen können. Dennoch will und braucht jedes Kaninchen wenigstens einen Artgenossen. Kaninchen sind soziale Tiere, die miteinander ruhen, kuscheln und einander putzen. Diese Verhaltensweisen möchte ein Kaninchen ausleben und braucht dazu ein anderes Kaninchen. Diese Tiere haben immerhin ihre eigene Sprachen, die nur andere Kaninchen beherrschen.

 

Wenn das Kaninchen ein anderes oder auch den Menschen mit dem Kopf oder nur der Nasenspitze anstupst, dann möchte es interagieren. Es möchte eventuell das andere Tier begrüßen und spielen. Senkt es jedoch den Kopf, möchte es geputzt werden. Außerdem lecken sich Kaninchen, was auch die Zusammengehörigkeit erhöht. Wenn Kaninchen in Einzelhaltung den Menschen immer wieder intensiv lecken wollen, sind sie vielleicht nur einsam. In jedem Fall ist das Lecken der Hände als Zuneigung zu werten, nicht als Salzmangel oder als Reinlichkeit.

 

Selbst reinliche Kaninchen kötteln mal hier und da hin, weil sie damit ihr Revier markieren. Sie bilden eigens Duftköttel, die Menschen als besonders unangenehm empfinden. Mit genügend großen Kaninchen-Toiletten kann das verteilte Kötteln meist minimiert werden.

 

Kaninchen ohne einen Artgenossen sind einsam und nehmen seelischen Schaden. Dennoch brauchen diese Fluchttiere immer genügend Raum, um sich auch einmal aus dem Weg zu gehen. Stall und Gehege sollen auf mehrere m² pro Kaninchen kommen. Wer einen kleinen Stall mit vielen Kaninchen belegt, da diese so gesellig sind, der tut den Tieren dennoch keinen Gefallen.

 

Wenn Kaninchen auf dem Bauch liegend die Hinterpfoten lang wegstrecken, sind sie richtig entspannt.
Wenn Kaninchen auf dem Bauch liegend die Hinterpfoten lang wegstrecken, sind sie richtig entspannt.

 

Verhaltensweisen der Kaninchen

Kaninchen, die sich sitzend an den Boden ducken, sind nicht entspannt sondern nehmen eine unterwürfige Haltung an. Wenn andere Kaninchen dominanter sind oder das Verhältnis zum Halter noch nicht richtig harmoniert, dann ducken sich Kaninchen dicht an den Boden. Richtig entspannt sind Kaninchen, wenn sie die Hinterpfoten lang weg strecken, auf dem Bauch liegen und der Kopf auf den ausgestreckten Vorderpfoten ruht. Teils liegen sie auf der Seite oder auf dem Rücken, dann fühlen sich Kaninchen sehr sicher.

 

Ein leises Zähneknirschen ist bei Kaninchen das Zeichen für Wohlbefinden. Bei einem lauteren, angespannten Zähneknirschen möchten die Tiere hingegen in Ruhe gelassen werden oder haben möglicherweise Zahnprobleme. Wenn Kaninchen fauchen, zischen oder knurren, dann soll der Halter immer auf Abstand bleiben. Das Kaninchen geht auf Abwehrhaltung und kann sogar aggressiv werden.

 

Gerade bei Kaninchen, die sich noch kennen lernen oder ihre Rangordnung finden müssen, ist Berammeln eine gängige Verhaltensweise und kommt deswegen nicht allein bei der Fortpflanzung vor. Dabei können dominante Weibchen auch den neuen Rammler berammeln. Solange dieses Verhalten im Rahmen bleibt, sollte der Halter einfach abwarten. Ansonsten muss jedoch über die Trennung der Tiere nachgedacht werden.

 

Wird das Kaninchen erschrocken und sieht keinen Fluchtweg, dann erstarrt es, da viele Räuber nur auf Bewegung reagieren. Wird eine Gefahr nur vermutet, dann stellen sich Kaninchen hin und prüfen die Umgebung. Bei Gefahr erfolgt ein Klopfen mit den Hinterpfoten, um andere Kaninchen zu warnen.

 

Weiterhin buddeln Kaninchen sehr gerne und sollen wenigstens eine Buddelkiste haben. Wird diese als Kaninchenklo gebraucht, muss der Sand regelmäßig erneuert werden. Die Tiere knabbern dies und jenes an, Stromkabel sollen nicht herum liegen. Wenn Kaninchen Luftsprünge machen, Haken schlagen und umher tollen, dann sind sie bei bester Laune und platzen vor Freude. Mehr Infos zum Kaninchen-Verhalten gibt es hier. Kaninchen wirken einfach, sind jedoch sehr komplexe Wesen.

 

Dieses Kaninchen stellt sich auf um seine Umgebung zu prüfen. Lauert irgendwo Gefahr?
Dieses Kaninchen stellt sich auf um seine Umgebung zu prüfen. Lauert irgendwo Gefahr?

 

Kaninchen und Meerschweinchen? Besser nicht!

Ältere Kaninchenhalter erinnern sich gewiss noch an Zeiten, in denen die Haltung von Kaninchen mit Meerschweinchen empfohlen wurde. Das geht höchstens in genügend großen Gehegen mit Rückzugsmöglichkeiten für die Meerschweinchen und Kaninchen. Die Meerschweinchen können durch kleine Öffnungen in einen eigenen Bereich flüchten, die Kaninchen hüpfen auf eine Ebene, die für die Meerschweinchen zu hoch ist. Auch dann wäre eine gemeinsame Haltung lediglich vertretbar, wenn wenigstens zwei Meerschweinchen und zwei Kaninchen gehalten werden. Meerschweinchenhalter raten von einer gemeinsamen Haltung ab, hier ihre Gründe.

 

Sinnvoller wäre es, die Käfige zu unterteilen, da Kaninchen und Meerschweinchen sehr verschieden sind. Kaninchen verwenden nur wenige Laute, Meerschweinchen sind hingegen lautstark. Zudem bedeutet z.B. das Zähneknirschen für das Kaninchen das genaue Gegenteil von der Meerschweinchensprache. Als nächstes wollen Kaninchen schmusen und einander putzen. Meerschweinchen mögen einander, vermeiden jedoch zu intensive Berührungen.

 

Die Tiere haben nicht allein eine sehr unterschiedliche Sprache. Selbst Zwergkaninchen sind den Meerschweinchen überlegen und können diese beim Berammeln oder auch mit Tritten und Bissen schwer oder sogar tödlich verletzten.

 

Damit nicht genug, so haben die Tiere verschiedene Tagesabläufe. Kaninchen sind in der Dämmerung oder bei Nacht aktiv. Meerschweinchen sind mit wechselnden Ruhephasen auch am Tag aktiv und stören möglicherweise die Kaninchen.

 

Zu guter Letzt brauchen Meerschweinchen und Kaninchen eine unterschiedliche Fütterung. Kaninchen bilden selbstständig Vitamin C, welches in der Nahrung nicht mehr in Mengen vorhanden sein darf. Meerschweinchen benötigen hingegen Nahrung mit viel Vitamin C. Bei gemeinsamer Fütterung wird also wenigstens eine der Tierarten falsch ernährt.

 

 

Auch wenn es für Unerfahrene nicht so scheint, stellen Kaninchen und Meerschweinchen komplett andere Bedürfnisse an ihre Ernährung.
Auch wenn es für Unerfahrene nicht so scheint, stellen Kaninchen und Meerschweinchen komplett andere Bedürfnisse an ihre Ernährung.

 

Gesunde Kaninchen werden alt

Abschließend soll jeder angehende Kaninchenhalter bedenken, dass er nur am gesunden und artgerecht gehaltenen Kaninchen Freude haben wird. Dann werden diese Tiere 8 bis 12 Jahre alt. Möglicherweise wäre es besser, ein paar adulten Tieren aus dem Tierheim eine Unterkunft zu bieten, womit die Tiere nicht mehr ganz so lange bei einem bleiben werden. Die Tierheime und vor allem die Kaninchen werden es einem danken.

 

 

- Robert Brungert

 

Für mehr Informationen schaut auch auf dieser Seite vorbei: 

https://www.kaninchen-haltung.com/

 

 

 

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